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Dein Name. Deine Geschichte.

Entdecke Herkunft, Bedeutung und die Spuren deiner Familie.

Nachnamen nach Jahreszeiten & Wetter

Nachnamen nach Jahreszeiten und Wetter sind meistens keine „romantischen Natur-Namen“, sondern entstanden ganz bodenständig aus Übernamen (Spitznamen), Haus-/Hofnamen, Ortsbezeichnungen oder Berufs-/Funktionsbezügen. Man kann grob vier Entstehungswege unterscheiden:

1) Übername: „Der mit dem Wetter“

Das ist der häufigste Mechanismus: Jemand bekam einen Spitznamen wegen Aussehen, Temperament, Stimme oder Verhalten.

  • Donner / Donnerer / Donnermann: laut, „donnernde Stimme“, jähzornig, auffällig – oder jemand, der gern fluchte („Donnerwetter!“).

  • Wind / Windisch / Windler: „unruhig“, „flatterhaft“, schnell unterwegs – oder jemand, der an einem windigen Ort wohnte (Übergang zu Ortsbezug).

  • Niesel / Niesler / Nieselmann: eher selten, aber plausibel als Übername für jemanden, der „immer im Regen“ arbeitet, ständig nass war, oder in einer Gegend mit Nieselwetter lebte.

Wichtig: Solche Übernamen waren im Mittelalter/der frühen Neuzeit oft sehr direkt und manchmal spöttisch.

2) Herkunftsname: Wohnen „beim …“

Viele scheinbare Wetter-Nachnamen sind eigentlich Landschafts-/Ortsnamen: Wer „am Wind“, „im Donner-…“ oder „bei der Winter-…“ wohnte, wurde danach benannt. Das gilt besonders bei Namen, die ursprünglich Flurnamen (Feld-/Geländenamen) waren.

Beispiele/Prinzip:

  • Sommerfeld: oft ein Flurname („Sommerfeld“ = Feld, das als Sommerfeld genutzt wird) oder Ortsname → dann Herkunftsname.

  • Winterberg: häufig Ortsname (es gibt mehrere Orte/Regionen mit diesem Namen) → Herkunftsname.

  • Windberg, Windisch, Windhausen-artige Muster: sehr oft toponymisch (also ortsbezogen).

3) Haus- und Hofnamen

Im deutschsprachigen Raum (v.a. Süddeutschland/Österreich/Schweiz) wurden Menschen oft nach dem Hausnamen benannt, z.B. „beim Winter“, „beim Donner“, „zum Sommer“. Der Hausname konnte wiederum von Lage, einem Ereignis oder einem früheren Besitzer stammen.

Darum wirken manche Namen wie Wetter/Jahreszeit, sind aber eigentlich „Adresse in Worten“.

4) Kalender- und Festtagslogik

Manche Namen hängen mit Zeitpunkten zusammen:

  • Geburt/Findelkind/Ankunft „im Winter“, „zu Ostern“, „zu Pfingsten“

  • Saisonarbeit („Sommerknecht“ o.ä.) – seltener, aber möglich

  • Lenz (Frühling) ist besonders spannend: „Lenz“ ist ein altes deutsches Wort für Frühling und kommt auch als Rufname vor. Der Nachname kann also

    • saisonal („Frühlingstyp“, „im Frühling gekommen“) oder

    • patronymisch sein (vom Vornamen Lenz / Lorenz abgeleitet, regional auch Kurzform).

Jahreszeiten-Namen: typische Deutungen

Sommer

Häufig als:

  • Übername („fröhlich, hell, warmherzig“ – oder ironisch)

  • Haus-/Hofname („Zum Sommer“)

  • Herkunfts-/Flurname (Sommerfeld, Sommerau)

Winter

Häufig als:

  • Übername (kühl, ernst, „winterlich“ im Wesen, oder weißes Haar)

  • Herkunft/Ort (Winterberg, Winterbach)

  • Hausname („Beim Winter“)

Lenz

Entsteht oft aus:

  • dem alten Wort für Frühling

  • Kurzform/Variante von Lorenz (regional), was bedeutet: Nicht jeder „Lenz“ ist wirklich „Frühling“, manche sind „Lorenz-Abkömmling“.

Herbst

Eher seltener als „Sommer/Winter“, aber möglich als:

  • Übername (Alter, Reife, „Herbst des Lebens“ – oder wegen Erntezeit)

  • Herkunft/Flurname (Erntefelder, Herbstweide)

Wetter- und Naturereignisse: Beispiele und mögliche Wurzeln

Donner

  • Übername (laute Stimme, temperamentvoll)

  • auch als Teil von Flur-/Hausnamen (z.B. „Donner-“ in Hofnamen, regional verschieden)

  • Achtung: Es gibt auch Ableitungen/Verwandtschaft zu alten Rufnamen oder Lautwörtern – je nach Region.

Wind

  • Ortsbezug (windige Anhöhe, Pass, Küste)

  • Übername („unstet“, „flink“)

  • Ableitungen: Windisch kann auch ethnisch/ortsbezogen sein (historisch „slawisch/wendisch“ in bestimmten Gegenden) – nicht immer „Wind“ im Wetter-Sinn.

Niesel

  • wahrscheinlich Übername oder Hausname (selten, aber sprachlich naheliegend)

  • kann auch als Ableitung/Variante eines anderen Namens vorkommen (Schreibvarianten, Dialekt)

Warum gerade solche Namen „hängenbleiben“

Damit ein Übername zu einem echten Nachnamen wird, musste er stabil und eindeutig genug sein, um eine Familie zu identifizieren. Wetter-/Jahreszeitenbegriffe sind:

  • kurz,

  • bildhaft,

  • leicht merkbar,

  • und oft als Hausname/Hofname verwendbar.

Mini-Check: „Echter Wettername“ oder doch was anderes?

Wenn du einen konkreten Namen prüfen willst, helfen diese Fragen:

  • Gibt es einen Ort/Flurnamen mit dem Wort? (Dann oft Herkunft.)

  • Taucht er als Hausname in einer Region häufig auf? (Dann Haus/Hof.)

  • Gibt es einen gleich klingenden Vornamen (z.B. Lenz ↔ Lorenz)? (Dann evtl. patronymisch.)

  • Gibt es typische Suffixe (-er, -mann, -le, -ing), die auf Beruf/Herkunft/Übername hindeuten?